Das Limburger Diözesanmuseum öffnet Fenster zum Himmel

| KEB Limburg und Wetzlar-LDE

LEBHAFTE FÜHRUNG DURCH DIE AKTUELLE SONDERAUSSTELLUNG

In Limburg öffnen sich derzeit die „Fenster zum Himmel“. So der Titel der aktuellen Sonderausstellung im Diözesanmuseum, die sich modernen Ikonen widmet. Bei einer Führung, zu der die Katholische Erwachsenenbildung Limburg und Wetzlar, Lahn-Dill-Eder (KEB) eingeladen hatte, erläuterte der Direktor des Hauses, Prof. Dr. Matthias T. Kloft, den zahlreichen Besuchern die Geschichte hinter den Kunstwerken.

 

BEDEUTUNG VON IKONEN
Ikonen sind heilige, meist auf Holz gemalte und geweihte Bilder. Sie unterliegen festen Regeln, die sich aus ihrem Sinn und Ziel ableiten. Ikonenmalen geschieht sozusagen im Gebet und während der Arbeit steht der Maler im geistigen Zwiegespräch mit der dargestellten Person. Daher sprechen Fachleute davon, dass Ikonen geschrieben und nicht gemalt werden. Diese geschriebenen Bilder haben im Christentum eine spirituelle Bedeutung, da sie als Fenster zum Göttlichen und als Hilfsmittel für das kontemplative Gebet dienen. „Das, was die Ikonen für Christen der östlichen Kirchen sind, können sie für westliche Gläubige nicht sein“, machte der Diözesankonservator und ausgewiesene Experte für Kirchengeschichte Kloft deutlich. Die in westlichen Kirchen üblichen Gnadenbilder beispielsweise sind austauschbar. In der östlichen Orthodoxie aber wirkt das Bild selbst, denn es ist viel mehr als ein Bild. Die Ikone wird konsekriert, das heißt, dem weltlichen „Gebrauch“ entzogen und in den alleinigen Dienst Gottes gestellt. Auch die Verehrung bezieht sich nach orthodoxer Lehre auf den Dargestellten, nicht auf die Ikone selbst als einen Gegenstand aus Holz und Farbe.

 

EINE KÜNSTLERBIOGRAFIE ZWISCHEN SYRIEN UND WIESBADEN
Neben den kunsthistorischen und theologischen Erläuterungen zu den himmlischen Ikonen öffnete Kloft auch die Fenster zu den Herzen der Teilnehmenden, indem er die Biografie des Künstlers Osama Msleh sehr eindrücklich darlegte.
Osama Msleh wurde in Damaskus geboren. Vor vielen Jahren musste der melkitisch-katholische Christ mit seiner Familie aus Syrien flüchten. Im Neckermann-Gebäude in Frankfurt fand er eine erste Unterkunft, bevor er später zu Kloft ins Pfarrhaus ziehen konnte. Mittlerweile hat die Familie Msleh längst ein neues Zuhause in Wiesbaden gefunden, der Künstler ist geweihter Diakon und Lehrer in einer Behinderteneinrichtung. Regelmäßig besucht er Gottesdienste in Wiesbaden-Nordenstadt und hat auch schon verschiedene Ikonen der Heiligen Brigida von Kildare für verschiedene Kirchorte der hessischen Landeshauptstadt geschaffen. Seine Werke finden international Beachtung und wurden in Frankreich, Italien und Norwegen gezeigt.
Dem geweihten Priester Kloft ist es eine echte Herzensangelegenheit, Christinnen und Christen hierzulande die menschlichen Schicksale der Menschen auf der Flucht zu vermitteln. Tief bewegt hat ihn eine Begegnung im Jahr 2014 in Erbil. Dort, in der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Irak, durfte Kloft in der Kathedrale einen Gottesdienst erleben. Im Anschluss daran kam eine elegant westlich gekleidete Frau auf ihn zu, die berichtete, dass sie in der Nacht aus der umkämpften Stadt Rakka geflüchtet war. Sie hatte nichts mehr, außer der Kleider am Leib. Ihr Satz „ihr im Westen vergesst uns“ erschüttert den Direktor des Diözesanmuseums bis heute.
Ein Besuch in der Sonderausstellung mit den Werken des syrisch-hessischen Ikonenschreibers Msleh kann in diesem Sinne auch eine Erinnerung an die Menschlichkeit sein.


Die KEB bietet eine weitere Führung mit Prof. Dr. Matthias T. Kloft an: am Dienstag, 9. Juli 2024 um 15 Uhr.
Der Eintritt zu der Führung ist frei. Da es nur 25 Plätze gibt, bitten wir um eine Anmeldung - bis zum 8. Juli per Mail an oder telefonisch 06433 88142.
Treffpunkt zur Führung ist der Innenhof des Diözesanmuseums (Domstraße 12, 65549 Limburg).


Fenster zum Himmel - Syrische Ikonen aus Wiesbaden
bis 18.08.2024
Diözesanmuseum Limburg, Domstraße 12, 65549 Limburg/Lahn
Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr
Führungen auf Anfrage direkt beim Diözesanmuseum: 

 

Annette Krumpholz
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Ein Mann mit weißen Haaren und Bart. Er lächelt. Im Hintergrund hängt eine bunte Ikone an einer dunklen Wand.
Prof. Dr. Matthias T. Kloft ist Direktor des Limburger Diözesanmuseums, Diözesankonservator, ein ausgewiesener Experte in Kirchengeschichte und zuständig für sämtliche Reliquien im Bistum Limburg - um nur einige seiner Aufgaben zu nennen. ©Annette Krumpholz
Eine Steintreppe führt zu einem schmiedeeisernen Tor. An der Treppe steht ein Baum mit grünem Blattwerk.
Der Eingang des Diözesanmuseums (Domstraße 12, 65549 Limburg). ©Annette Krumpholz
Drei Ikonenbilder. Sie sind bunt und hängen vor dunklem Hintergrund.
Drei der Ikonen der Sonderausstellung. ©Annette Krumpholz
Menschen hören zu, während Prof. Dr. Matthias T. Kloft spricht. Sie stehen am Eingang des Museums.
Prof. Dr. Matthias T. Kloft kennt viele interessante Details zu den Ikonen. ©Annette Krumpholz
Ein Mann mit weißem Haar und Bart spricht.
Dem geweihten Priester Prof. Dr. Matthias T. Kloft ist es eine echte Herzensangelegenheit, Christinnen und Christen hierzulande die menschlichen Schicksale der Menschen auf der Flucht zu vermitteln. ©Annette Krumpholz
Dass Profil eines Mannes in einer Glasspiegelung.
Sonderausstellung "Fenster zum Himmel": Bei einer Führung, zu der die Katholische Erwachsenenbildung Limburg und Wetzlar, Lahn-Dill-Eder (KEB) eingeladen hatte, erläuterte der Direktor des Hauses, Prof. Dr. Matthias T. Kloft, den zahlreichen Besuchern die Geschichte hinter den Kunstwerken. ©Annette Krumpholz
Ein Mann fotografiert eine Ikone. Man sieht das Foto auf dem Display seines Mobiltelefons.
Ikonen haben eine spirituelle Bedeutung. ©Annette Krumpholz
Ein Mann vor einem Bild.
Prof. Dr. Matthias T. Kloft vor einer Ikone, die den Heiligen Georg darstellt. ©Annette Krumpholz

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