Interreligiöser Dialog: Vertrautes neu entdeckt

| KEB (alle)

Nach dem Freitagsgebet in den Dom: eine besondere Führung für Menschen muslimischen Glaubens zeigte Überraschendes. Die Initiative soll fortgeführt werden.

Freunde laden sich gegenseitig nach Hause ein. Da schaut man sich um, entdeckt die Eigenarten und Spielregeln des anderen und lernt sich schlussendlich besser kennen. Wie gut das klappt, zeigte jetzt eine muslimische Besuchergruppe im Limburger Dom.

Initiatoren der Domführung waren Esat Öztürk (Jugendbildungsleiter des BKV-Limburg) und Dr. Frank van der Velden (Studienleiter für interreligiöse Bildung der KEB und Bischöflicher Islambeauftragter). Auf ihre Einladung hin machten sich am vergangenen Freitag rund ein Dutzend Menschen muslimischen Glaubens nach dem traditionellen Freitagsgebet auf den Weg zum Domberg: eine interessierte Gruppe, vom flippig-jugendlichen Schüler bis hin zum hauptamtlich-würdevollen Imam. Viele von ihnen mit familiären Wurzeln in der Türkei.

Gemeinsame Wurzeln

Sie alle lauschten den kenntnisreichen Beschreibungen von Schwester Waltraud von der geistlichen Gemeinschaft „Das Werk“. Überraschend an ihren Schilderungen waren sicherlich die interkulturellen Bezüge, die der Georgsdom zu bieten hat.

Schon auf dem Platz vor dem Dom ließ Schwester Waltraud die Besucher eintauchen in die Entstehungsgeschichte des Kirchengebäudes auf dem größten Kalksteinfelsen im Verlauf der Lahn. Mit viel Detailwissen lenkte sie den Blick auf die Fassade, die bei sonnigem Herbstwetter in üppigen Farben leuchtete. Gleich an der Eingangstür konnten die Besucher Verbindendes entdecken: die beiden Kirchenpatrone Georg und Nikolaus begrüßen die Besucher. „Der Heilige Nikolaus lebte, wirkte und starb in der heutigen Türkei und der Heilige Georg stammte aus dem kleinasiatisch-syrischen Raum“, merkte Frank van der Velden an. Im Kircheninneren wies die Kirchenführerin auf Verbindungen zum byzantinischen Reich und zu Märtyrern aus dem heutigen Libanon oder der Türkei hin. „Immerhin lag Limburg an der wichtigen Handelsstrecke von Byzanz (heute Istanbul) nach Aachen“, so Schwester Waltraud.

Nach rund einer Stunde im Dom mit vielen interessierten Fragen zog der ehrenamtliche Imam Esat Öztürk erfreut Bilanz. „Wir haben hier gesehen, dass Geschichte vielfältig betrachtet werden muss – und dass Christen und Muslime den Fokus auf das WIR legen sollten“, betonte er. Frank van der Velden stellte weitere Treffen dieser Art in Aussicht. Jedes Jahr am 3. Oktober öffnen die Moscheen hierzulande ihre Türen für Besucher. „Wir möchten das gerne auch umgekehrt anbieten“, so van der Velden. Geht es nach dem Wunsch der Initiatoren, soll eine neue Tradition entstehen: Domführungen immer am jeweiligen Freitag vor dem Tag der offenen Moschee.

Begegnung stärkt

Abschließend fasste Sabine Tomasko, Leiterin der KEB, die Domführung in herzlich-freundschaftlicher Atmosphäre zusammen: „Gerade jetzt, in unseren dichten Zeiten, ist es wichtig, dass Nachbarn sich wertschätzend begegnen und miteinander in Verbindung bleiben. Das stärkt auch die Stadtgesellschaft und das subjektive Wohlbefinden jedes und jeder einzelnen.“

Die Domführung für Muslime ist eine Initiative des Arbeitskreises der Muslime (AdM) und der Katholischen Erwachsenenbildung Limburg, Wetzlar-Lahn-Dill-Eder (KEB).

Annette Krumpholz
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Eine Gruppe von Menschen muslimischen Glaubens auf den Eingangsstufen des Limburger Georgsdoms
Stellten viele Fragen und waren ganz bei der Sache: nach dem Freitagsgebet besichtigten Muslime den Limburger Dom. © Annette Krumpholz

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