Mythos Mutter

| KEB Frankfurt

PODIUMSDISKUSSION ZU ROLLENMUSTERN UND RETRO-SCHRITTEN

Sanft, geduldig und hingebungsvoll kümmert sie sich um den Nachwuchs und hat dabei stets ein mildes Lächeln im Gesicht: Die Rolle von Müttern ist auch heute noch voller Klischees. Was genau macht eine Mutter aus? Ist der Muttertag noch zeitgemäß? Welche Herausforderungen erleben junge Mütter heute?

WER ODER WAS IST EINE MUTTER?
Darum und um viele weitere Fragen ging es bei einer Podiumsdiskussion im Haus am Dom. Im Gespräch: die Autorin und Bloggerin Jana Heinicke und Dr. Maria Flachsbarth, die knapp zwanzig Jahre Mitglied des Deutschen Bundestags und bis 2023 Präsidentin des KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund) war.
Gleich eingangs entspann sich ein Diskurs darüber, ob die Definition einer Mutter rein biologisch durch den Akt des Gebärens ausreichend abgebildet ist. Gibt es abseits der biologischen Ebene nicht noch gesellschaftliche, politische und weitere Facetten der „Mutter“? „Auch Adoptiveltern sind Mütter und eine Person, die ein Kind geboren hat, muss nicht zwangsläufig Mutter sein“, so Heinicke. Der Begriff „Mutter“ vereinnahme Frauen und grenze zugleich andere aus. Beispielsweise seien in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zweier Frauen sind doch beide Mütter, auch wenn nur eine von beiden das Kind geboren hat, plädierte Heinicke. Die Frau, die das Kind nicht geboren habe, müsse sich aber rechtlich dafür einsetzen, überhaupt als Mutter in amtliche Dokumente eingetragen zu werden. „Wobei bei einer Hetero-Ehe der Mann per se als Vater eingetragen wird, unabhängig davon, ob er das Kind gezeugt hat, oder nicht“, argumentierte die Autorin. 
Flachsbarth, die studierte Tiermedizinerin ist, stimmte der daraus folgenden notwendigen Erweiterung des Mutterbegriffs zu, „aber die biologische Komponente beiseite zu schieben, ist mir nicht möglich“.

RETRO-ROLLENVERTEILUNG
Für die ehemalige Politikerin ist es unerklärlich, dass es heute wieder die Tendenz in Beziehungen gibt, in althergebrachte Rollenmuster zu verfallen und eine konventionelle Verteilung der Aufgaben zu leben. Heinicke hingegen ist über diese Entwicklung keineswegs überrascht: „Einerseits ist durch die Corona-Pandemie vieles gekippt, und dann muss man natürlich sagen, dass in Zeiten der Inflation, in Kombination mit dem Gender-Pay-Gap und zusätzlich dem Ehegatten-Splitting, das eine Entscheidung ist, die politisch forciert ist“. Das sei eine einfache Rechnung. Außerdem fehle es an Fachkräften im Bildungssystem, von Erzieher*innen bis Lehrer*innen, und diese Entwicklung verschärfe sich in den kommenden Jahren weiter.

Moderatorin des Abends war Lara Ermer, Autorin und Comedienne.


Das ganze Gespräch sehen Sie hier. Der Klick leitet Sie weiter zum YouTube-Kanal der KEB.

Annette Krumpholz
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Drei Frauen stehen nebeneinander und lächeln.
Diskutierten über den Mythos Mutter: Dr. Maria Flachsbarth, Lara Ermer, Jana Heinicke. ©Annette Krumpholz
Lara Ermer und Jana Heinicke sitzen in schwarzen Sesseln. Lara Ermer spricht in ein Mikrofon.
©Annette Krumpholz
Drei Frauen diskutieren miteinander.
©Annette Krumpholz
Maria Flachsbarth trägt eine orange Jacke, kinnlanges, dunkles Haar und eine Brille.
Dr. Maria Flachsbarth ©Annette Krumpholz

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